Verweigern wir uns dem Krieg

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Werbung für Krieg

In diesem Text geht es um Werbung für Krieg. Dabei geht es nicht um Informationen und Analysen, sondern um die Manipulation von Gefühlen und Gedanken für einen bestimmten Zweck. Im Falle von Krieg geht es darum, die Masse der Bürger zur Unterstützung des jeweilig betriebenen Krieges zu bringen, oder zumindest zum Stillhalten.

Loyalität der Untertanen?

In den alten Zeiten war es gleichgültig, ob die Untertanen loyal zu den Kriegstreibern stehen. Die Bauern wurden einfach zwangsrekrutiert. Die heutige Kriegführung erfordert hingegen die Ausrichtung der ganzen Gesellschaft für Krieg. Der 'totale Krieg' war ja keine Erfindung der Nationalsozialisten, sondern eine Etappe in der Entwicklung der Kriegführung.

Die Kriegsfähigkeit eines Staates hängt heute mehr denn je von der ganzen Gesellschaft ab. Daher ist die Zustimmung zum Kriegstreiben der Regierung ein entscheidender Faktor. Zumindest muß eine wohlwollende Gleichgültigkeit erreicht werden. Aus der Sicht der Kriegstreiber sind Verweigerungshandlungen und die Verbreitung grundsätzlich kriegsfeindlicher Ansichten unbedingt niederzuhalten.

Die technisch-organisatorischen Erfordernisse der Kriegsführung haben Werbung für Krieg zum kriegsentscheidenden Faktor gemacht.

Vom aktuellen Krieg wissen wir nur wenig

Eigentlich ist klar, dass Information im Krieg ein extrem wichtiges Gut wird. Daher werden allerlei Informationen geheim gehalten, und strategisch Lügen und Fantasiegeschichten verbreitet. Es ist daher unsinnig, wenn wir in einer aktiven Kriegsphase aktuelle Informationen erwarten, schon gar nicht über den Verlauf der Kämpfe oder Zahlen von Opfern oder getöteten 'Feinden'. Aktuelle Kriegsberichte sind immer Werbung, egal von welcher Seite.

Kritische Informationen unterliegen zudem langen Geheimhaltungszeiten. Manches werden wir nie erfahren, wenn die entsprechenden Akten oder Daten vernichtet wurden. Zudem sorgt die Befehlskette dafür, dass Informationen von den Einsatzgruppen nach oben kommuniziert, dort gesichtet, gefiltert, und selektiv weitergeleitet werden.

Nicht-staatliche bewaffnete Einheiten verzichten indes oft ganz auf zentrale Kommandostrukturen und schriftliche Dokumentation. Informationen sind gefährlich und gefährdend. Was man nicht weiß, kann man nicht verraten. Jeder soll nur wissen, was notwendig zur Erfüllung der direkt anstehenden Aufgaben ist.

Auch die diplomatischen Dokumente helfen wenig. Selbst wenn man die verklausulierte Sprache erlernt, bleibt doch vieles offen. Was ist nur Gerede, was sind tatsächliche Absichten, was die faktischen Geschehnisse? Was war gewollt, was nur vorgeblich, was 'erzwungen'? Wer hat wann was gewusst, wer reagiert, wer angetrieben, wer im Vordergrund, wer im Hintergrund? Viele Fragen, aber nur Bruchstücke von Informationen und thesenhafte Annahmen, die aus Interpretationen vorherigen Handelns abgeleitet werden können.

Wer über einen Krieg etwas lernen will, muss sich jedenfalls mit den Erzählungen und Interessen aller beteiligten Akteure beschäftigen. Einseitige Positionierungen und moralische Urteile stören nur beim mühsamen Versuch, die Sichtweisen besser zu verstehen.

Wie im Märchen, oder 'Hollywood for War'

Den Einfluss der Medien können wir kaum überschätzen. Das betrifft vor allem die Bilderströme, denn die Mehrzahl der Menschen reagiert sehr stark und gefühlsmäßig auf visuelle Reize. Wenig ist einfacher zu manipulieren als digitale Bilder und Filme. Die Werbekampagnen für Krieg nutzen daher auch die einfachste Methode, die Konsumenten auf ihre Seite zu ziehen. Es werden Bilderströme erzeugt, die Gefühl von Betroffenheit und Mitleid aufrufen, die mit einheitlichem Erzählmuster begleitet werden.

Die tatsächlichen und alltäglich erlittenen Schädigungen und die Leiden der Menschen in den Kriegsgebieten werden virtualisiert und in eine Geschichte über 'Gut' und 'Böse' verwandelt. Die emotionale Identifizierung mit den 'Guten' bestimmt fortan die Sicht auf die 'Bösen'. Das Schema kennen wir von Märchen und Hollywood-Filmen.

Eine solch binäre Darstellung passt natürlich nicht mit den Realitäten internationaler Politik und Kriegführung zusammen. Es mag daher verwundern, wie gut diese Kampagnen funktionieren. Gefühle statt Verstand, Fantasie statt Realität dominieren die Sichtweise zumindest derer, die nicht direkt Opfer kriegerischer Aktivitäten sind.

Jedenfalls ist klar, dass die Masse der Menschen unwissend ist und weder Zeit noch Willen aufbringt, um sich mit diesen Fragen ernsthaft zu beschäftigen. Viel einfacher ist es, von den angebotenen Erzählungen etwas auszuwählen und sich nicht ins Abseits zu stellen.

Sachliche Betrachtung und öffentliche Diskussion werden in solch einer Situation unmöglich gemacht. Wenn die Propagandawelle kommt, dann verlieren die meisten Betroffenen sofort ihre Fähigkeiten zum eigenständigen Denken. Die große Mehrheit ist zu opportunistisch und schwach, um sich effektiv zu widersetzen.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass die U.S.A. als stärkste Militärmacht auch die effektivste Propaganda betreiben, denn beides hängt eng zusammen. Die weltweit marktbeherrschenden Medienkonzerne sind in den U.S.A. beheimatet. Sie wissen, worauf die Leute anspringen, und lernen immer mehr über die Abläufe der Kommunikation in individualisierten Massengesellschaften.

Angreifer und Verteidiger

Beim Krieg gibt es eine grundsätzliche Unterscheidung in Angreifer und Verteidiger. Damit wird ständig gespielt, denn was bedeutet 'angegriffen' genau? Schließlich stellen sich fast alle Angreifer als Verteidiger oder gar als Befreier dar.

Die großen Mächte nutzen Krieg zur Durchsetzung ihrer Machtinteressen. Insofern ihre Machtpositionen bedroht werden, tatsächlich oder fiktiv, sehen sie das als Angriff. Dadurch wird Angriff, also der Einsatz militärischer Gewalt gegen einen anderen Staat, zur Verteidigung umdefiniert.

Die U.S.A. sind sogar so weit gegangen, 'Angriffe' gegen ihre weltweiten Interessen offiziell als militärische Verteidigungsfälle zu werten. Das können politische, wirtschaftliche oder finanzielle Interessen sein, die sie anderen Ländern aufgezwungen haben.

Die Bedeutung der Begriffe Angriff und Verteidigung ist weder eindeutig definiert, noch werden sie einheitlich angewendet. Kurz gesagt, es ist eine Frage von Blickwinkel und Interessenlage. Die Begriffe wurden so weit manipuliert, dass sie heute kaum noch zu gebrauchen sind.

Sofern die Begriffe für zwischenstaatliche Konflikte benutzt werden, können wir eine territorial definierte Grunddefinition verwenden, die eindeutig und nicht einfach zu verdrehen ist. Fremde Truppen im Land sind immer Angreifer oder Besatzer. Sie können keine Befreier oder Verteidiger sein. Verteidiger können nur diejenigen sein, deren Gebiet bombardiert wird oder von ausländischen Truppen besetzt ist.

Um die Begriffe weiter aufzuklären, müssen wir zwischen Kategorien von Staaten unterscheiden. Die Mehrheit der Staaten kann nicht eigenständig andere Staaten angreifen. Ihnen fehlen einfach die militärischen Mittel. Sie können es nur tun, wenn sie von großen Militärmächten dazu ermächtigt werden. Eine kleine Gruppe von Staaten braucht hingegen keine direkten Angriffe auf ihr Territorium zu fürchten, denn sie verfügen über ausreichende militärische Kapazitäten, um potentielle Angreifer abzuschrecken, auch wenn deren militärische und wirtschaftliche Fähigkeiten oder Möglichkeiten im Verhältnis größer sein mögen.

Durchaus problematisch ist die Einordnung im Falle von offiziellen Hilfegesuchen von Regierungen. Es war immer schon ein beliebtes Mittel, sich zur Hilfe rufen zu lassen, um Aufstände niederzuschlagen und Fremdherrschaft zu verlängern. Es ist der Normalfall, dass sich Besatzer zumindest im Nachhinein von der durch sie installierten Regierung durch Abkommen absegnen lassen. Häufig werden irgendwelche Regierungen anerkannt oder auch nicht, ungeachtet der tatsächlichen Verhältnisse. Wie es gerade so passt. Wenn solch ein Schema akzeptiert wird, dann öffnen sich allzu viele Möglichkeiten, um militärische Interventionen und Besatzungen zu legitimieren.

Falls die militärische Unterstützung allerdings im Rahmen eines Bündnisses von 'Schwachen' zur gemeinsamen Verteidigung erfolgt, dann ist das etwas fundamental anderes. Ein Beispiel wäre ein Verteidigungspakt afrikanischer Staaten gegen militärische Interventionen nicht-afrikanischer Staaten. Das ist aber eher eine theoretisch-akademische Überlegung, denn es fehlt als entscheidende Voraussetzung die tatsächliche Souveränität der Staaten. Faktisch befinden sich die Mehrzahl der Staaten Afrikas in starken Abhängigkeiten und unter hegemonialer Kontrolle von Außen. Noch zu Hochzeiten der Unabhängigkeitskämpfe sprachen weitsichtige afrikanische Führer schon von 'Flaggen-Unabhängigkeit' und 'Neo-Kolonialer Herrschaft'.

Häufig finden wir mehrere der Großmächte als Angreifer, manchmal auf unterschiedlichen 'Seiten'. Die Menschen in den Kriegsgebieten werden zu Opfern von Großmächten, die auf ihrem Territorium um Einfluss 'kämpfen'. Ihre Länder werden ruiniert und noch tiefer in Abhängigkeiten getrieben.

Wider die Perspektive von 'Oben'

Relevant, bedeutungsvoll, tatsächlich wichtig, das sind wir nur für die und mit den Menschen, zu denen wir gehören - Familie, Freunde, Kollegen, Bekannte. Im persönlichen Kontakt können unsere Entscheidungen und Handlungen etwas bewirken. Das gilt überall gleich, tatsächlich, weltweit, praktisch, täglich.

Im Gegensatz dazu ist unser Bezug zu internationaler Politik und Weltlage die von Empfängern ohne Abschaltmöglichkeit und nur schwachen Störsendern auf unsicheren Frequenzen. Wir haben darauf keinerlei Einfluß und können daher nichts tun.

Im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang sind wir atomisierten Einzelnen aus Massengesellschaften bedeutungslos und austauschbar. Wir haben keinen nennenswerten Einfluß auf Wirtschaft und Politik. Zu den Kreisen der tatsächlichen Entscheider, die Befehlsgewalt über große Armeen haben und die Kriegseinsätze anordnen, haben wir keinen Zugang. Wir wissen nicht einmal, worum es da wirklich geht.

Exkursion: Die Entscheidung zur Massenvernichtung von Menschen in Irak

1990 hat eine Gruppe von Leuten die Entscheidung getroffen, die Aktivierung eines Angriffsplans gegen Irak zu befehlen, der über ein Jahrzehnt vorher entwickelt und über die Jahre vorbereitet worden war.

Der Irak wurde 43 Tage lang mit Tausenden Flugzeugen permanent bombardiert. Die prioritäre Liste militärischer Ziele war schnell abgearbeitet. Die irakische Luftwaffe und Luftabwehr waren nach wenigen Stunden ausgeschaltet. Die irakische Armee mit ihren Panzern harrte eingegraben im Wüstensand aus, um mögliche Invasionstruppen abzuwehren. Die Gegend wurde massiv mit radioaktiver Munition kontaminiert, mit der die stählerne Hülle der Panzer durchschlagen werden konnte, bevor das Geschoß dann innen explodierte.

Die Bombardierungen zielten auf die lebenswichtige Infrastruktur des Landes, die Energie- und Wasserversorgung, Transport- und Kommunikationseinrichtungen - Radio- und Fernsehstationen, Eisenbahn, Flughäfen, Autobahnen, Brücken, Bewässerungssysteme und Dämme, Industrieanlagen, Lagerhäuser, Verwaltungsgebäude, Märkte, Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen. Nicht nur die direkten Zerstörungen durch die Bomben, sondern in der Folge auch die Verbreitung von gewaltigen Mengen gefährlicher und giftiger Substanzen richtete große und langfristige Schäden an.

Symbolisch für die Bombardierung wurde das Beispiel des zivilen Luftschutzbunkers Al Amiriya in Baghdad, der von einer schwedischen Firma gebaut worden war. Auf Basis der Pläne aus Schweden wurde ein doppelter Raketenangriff befohlen. Mit dem ersten Angriff wurde die äußere Schale des Bunkers aufgesprengt. Die zweite Rakete rief einen Feuersturm im Inneren des Bunkers hervor. 480 Menschen starben darin am Morgen des 13. Februar 1991.

Deklassifizierte Dokumente des U.S.-Verteidigungsministeriums beschäftigen sich ausführlich mit den Verwundbarkeiten der irakischen Trinkwasserversorgung. Die Möglichkeiten einer Verbreitung von Seuchen als Folge der zerstörten Kanalisation und ungeklärten Wassers, sowie durch kontaminierte Nahrungsmittel wurden ebenso untersucht, wie die Überlastung der medizinischen Einrichtungen, die Massen von Patienten unter schwierigsten Bedingungen zu behandeln hatten.

Das sind Feldberichte von U.S. Agenten in Irak. Die ersten dieser Dokumente sind am Anfang der Bombardierungen datiert, weitere verfolgen die Lage in den folgenden Monaten. Es ging darum, einen Zusammenbruch des Irak zu befördern.

Jahrelang sprachen nur wenige Einzelpersonen öffentlich über die Massenvernichtung von irakischen Menschen, die dort offensichtlich im Vollzug war. Diese Stimmen wurden von den Massenmedien einfach ignoriert. Dann kam nach fast 5 Jahren ein erster Bericht einer UN-Unterorganisationen zur Gesundheitslage von Kindern in Irak, in dem die Zahl der an den Folgen des Krieges gestorbener Kinder auf über 500 000 beziffert wurde. Als die damalige U.S.-Außenministerin am 12. Mai 1996 im amerikanischen Fernsehen auf die Massen gestorbener Kindern angesprochen wurde, antwortete sie, das sei eine sehr schwierige Entscheidung gewesen, aber die Regierung denke, der Preis sei es Wert gewesen.

Das Sterben ging weiter, angetrieben von der gleichzeitigen Anwendung von Bombardierung, Blockade, Embargo und Sanktionen. Berichte über gehäufte Fehlgeburten und Missbildungen bei Säuglingen als Folge der radioaktiven Verseuchung wurden ebenso ignoriert, wie die Klagen der Ärzte, sie könnten ihre Patienten aufgrund fehlender Medikamente und Geräte nicht angemessen behandeln.

Der virtuelle Krieg

Neben dem faktischen Krieg gegen den Irak wurde ein virtueller Krieg gezeigt. Die Bildschirme wurden geflutet mit Bildern, die amerikanische Waffensysteme, vorzugsweise Kampfflieger, und immer die gleichen Bilder aufsteigender Raketen präsentierten. In Kommentaren wurde die Präzision der 'Schläge' hervorgehoben, während Luftaufnahmen brennender Städte gezeigt wurden. Die Bilder wurden begleitet mit ständigen Pressemitteilungen amerikanischer Militärsprecher und Reportagen ausgewählter ziviler Kriegsberichterstatter. Da waren die Helden, die Befreier Kuwaits, eigentlich der ganzen Welt, die gegen die verteufelten Finsterlinge, personifiziert als Präsident Hussein, kämpften.

Die Bilder zu Krieg waren die Antwort auf die 'Fehler' des Vietnam-Krieges. Hollywood und Silicon Valley kamen zur Hilfe. Der Krieg wurde zu einer Show mit Unterhaltungswert. Videospiele ermöglichte es den Konsumenten, sich in die Rolle von Piloten zu begeben und die Zielpunkte abzuarbeiten. Die Opfer dieser Bomben und Raketen blieben hinter Bildern von Präsident Hussein verborgen.

Als der Irak in der Weihnachtszeit wieder einmal für einige Tage massiv bombardiert wurde, erklärte der damalige britische Premierminister in seiner Weihnachtsansprache, man habe "Baghdad angezündet wie einen Weihnachtsbaum".

Die Regierungen konnten sich sicher sein, dass ihre Bürger kein Mitgefühl mit den Opfern haben würden.

Die mediale Präsentation und der tatsächliche Krieg sind zwei völlig verschiedene Wirklichkeiten mit wenigen Überschneidungen. Die eine ist virtuell, die andere faktisch.

Soldaten im faktischen Krieg

Der normale Soldat im Krieg ist einfach ein Mensch wie wir alle. Es sind Befehlsempfänger, die das Kriegshandwerk betreiben. Zu welcher 'Seite' sie auch gehören, alle machen sich vor Angst in die Hose, wenn sie sich daran gewöhnen müssen, dass jeder Moment jetzt ihr letzter sein kann. Alle werden die Bilder zerfetzter Körper nicht los, den Blick auf das Kind, welches durch sie zu Tode kam. Mit der Zeit gewöhnt man sich wohl daran.

Sie werden vielleicht als 'Sieger' mit Orden belohnt, oder als 'Verlierer' von Nachbarn verhöhnt, aber die Zivilisten zuhause wollen nicht von den finsteren Erlebnissen hören, die sie aus dem Krieg mitbringen. Die 'Helden' der U.S.-Kriege finden wir heute massenhaft unter den Obdachlosen in den Straßen amerikanischer Städte.

In Deutschland ist das Thema noch relativ neu. Soldaten, die von den Auslandseinsätzen zurück ins zivile Leben zurückzukehren versuchen, finden sich isoliert und allein gelassen mit den Erlebnissen, von denen niemand hören will. Manche finden sich in ihrem 'normalen' Leben nicht mehr zurecht. Psychisch Erkrankte müssen darum kämpfen, dass ihre Krankheiten anerkannt und die Kosten einer Behandlung übernommen werden.

Diese Soldaten haben den faktischen Krieg kennengelernt. Die Menschen zuhause haben mit dem Krieg praktisch gar nichts zu tun. Sie schauen auf ihre Bildschirme, verfolgen das Geschwätz und die Possen der Politiker, und erleben den Krieg in virtueller Form.

Die Opfer im virtuellen Krieg

Die mediale Präsentation und kognitive Kodierung von Krieg in binärer 'Gut'-'Böse' Logik erlaubt es den Kriegsplanern, je nach Bedarf die öffentliche Meinung zu schalten. Gehören die Opfer zu den 'Bösen', dann werden sie entweder ignoriert, oder mit Hass und Schadenfreude verhöhnt. Da verschwinden Hundertausende Menschen einfach im Nichts. Denn das 'Böse' muss schließlich gnadenlos bekämpft werden. Gehören die Opfer zu den 'Guten', dann zeigt man leidende Menschen auf allen Kanälen, und Wellen von Entsetzen, Mitgefühl und Empörung bewegen die Zuschauer.

Faktisch gibt es wenig Unterschiede zwischen beiden Orientierungen. Die tatsächlichen Menschen mit ihren alltäglichen Aufgaben und Erfordernissen, ihren Problemen, Sorgen und Freuden, kommen im virtuellen Krieg nicht vor.

Der binäre Umschalter funktioniert in beide Richtungen. Wenn die Werbekampagne startet, wissen alle, dass von ihnen Zustimmung oder zumindest Stillhalten erwartet wird. Die Verteufelung der 'Bösen' macht es sehr schwierig, deren Perspektive auch nur anzusprechen, denn man kann wilde Beschimpfungen und Unterstellungen erwarten. Das entspannt sich mit der Zeit, wenn die Werbekampagne zum Sättigungspunkt kommt, wo die immer gleichen Ströme zu langweilen und zu nerven beginnen. Aber dann ist es schon zu spät.

Ist das Gedankenfeld erst einmal entwickelt, die kognitiven Fragmente angeordnet, folgt die Phase der Kristallisierung, wo die kollektiven Grundkoordinaten fixiert werden. Da ist und bleibt es beispielsweise 'Putins Angriffskrieg', oder einfach 'Putins Krieg' da der 'Angriff' schon kristallisiert ist. Das ist der virtuelle Krieg, da geht es um die emotionale Fixierung und kognitive Kodierung der Betrachter. Was immer auch in den kommenden Jahren über den Krieg bekannt wird, kann nur noch wenig daran ändern.

Möglichkeiten zur Abwehr

Die einzige Möglichkeit, dieser medial verbreiteten Kodierung zu widerstehen, besteht in der Umkodierung des Grundverständnisses. Damit ist gemeint, statt aus der Perspektive der Regierenden, die wir nicht sind, aus der Perspektive der einfachen Menschen, die wir sind, zu betrachten.

Statt die Verantwortung auf die Politiker zu schieben und ihnen zu folgen, wenn für Krieg geblasen wird, sollten wir auf unsere eigene Verantwortung als Untertanen/Bürger verweisen, uns ihrer Kriegstreiberei entgegen zu stellen. Es mag so sein, dass wir politisch ohnmächtig sind, dass Widerstand gegen Krieg hoffnungslos erscheint. Aber darum geht es nicht wirklich.

Im Kern geht es um eine grundsätzliche Entscheidung gegen Krieg, um unsere Weigerung, den Kriegstreibern und der Kriegslogik zu folgen. So lange wir nicht selbst direkt militärisch angegriffen werden, weisen wir alle Gründe zurück, die für Krieg vorgebracht werden. Denn Krieg ist vor allem eine Katastrophe für die Masse der Menschen in den Kriegsgebieten.

Wenn auch jeder Krieg Tot und Zerstörung bringt, und vor diesem Hintergrund abgelehnt werden sollte, so gehen uns die Kriege politisch jeweils nur insoweit an, wie unsere Regierung sie betreibt oder befeuert. Darüber hinaus gilt es, das Gebot der Nichteinmischung zu beachten.

Wir sollten uns nicht mehr von den Lügen der Regierenden täuschen lassen und uns all den bösartigen Bemühungen widersetzen, uns dahingehend zu manipulieren, Krieg zu akzeptieren oder zu unterstützen. Wir bestehen darauf, daß es keinerlei Rechtfertigung für militärische Aktionen gegen andere Länder oder Völker gibt, unter keiner Organisation oder legalem Regelwerk, oder welche Gründe auch immer propagiert werden. Wir bestehen darauf, daß jeder Einsatz von Truppen in anderen Ländern nichts anderes ist, als Ausübung und Nutzung von Gewalt und Zerstörung gegen andere zur Durchsetzung der Interessen der 'Stärkeren' sowie von Fremdherrschaft über Menschen und Gebiete.