Verweigern wir uns dem Krieg

Übersicht vertiefender Texte

Der permanente Krieg

Statt die vielen Kriege getrennt und jeweils für sich zu betrachten, betrachten wir sie hier aus einer Perspektive, wo Krieg integrierter Teil der Politik ist. Krieg wird andauernd organisiert, vorbereitet und ausgeführt, nur nicht überall gleichzeitig.

Seit Jahrhunderten führen die europäischen Großmächte immerwährend Krieg

Wenn wir uns mit den zahlreichen Kriegen beschäftigen, fällt auf, dass die Großmächte aus Europa seit Jahrhunderten immerwährend Krieg führen. Immer wieder auch untereinander, meist aber gegen die Völker in den Amerikas, in Asien und in Afrika. Kaum bleibt mal eine kurze Zeit ohne Berichte über koloniale Eroberungen und die Niederschlagung von Aufständen.

Eine lange Liste von Kriegen bekommen wir auch für die Zeit nach dem '2. Weltkrieg'. Für Frankreich beispielsweise endete der Krieg nicht mit der Niederlage Deutschlands, sondern die Truppen wurden direkt weiter für Kriege in Asien und Afrika verschickt. Es ging einfach darum, die koloniale Herrschaft Frankreichs mit militärischer Gewalt durchzusetzen.

Die Korea von den U.S.A. und der Sowjetunion 1945 aufgezwungene Teilung führte bereits 1950 zu einem bitteren Krieg mit Millionen von Toten. Die U.S.A. benutzen Südkorea auch heute noch für ihre Machtprojektionen in Asien, vor allem gegen China.

Das sind nur einzelne Beispiele, die verdeutlichen, dass der Krieg nicht mit der Besatzung von Deutschland und Japan endete. Für die Regierungen und militärischen Planer gab es kein Innehalten und kein Entsetzen über die sichtbar gewordene Grausamkeit, die zerbombten Städte und die Massen von Toten und Versehrten. Noch während des '2. Weltkrieges' wurden die Kriege danach vorbereitet.

Die stärksten Militärmächte sind die größten Kriegstreiber

Es ist leicht zu verstehen, dass normalerweise die stärksten Militärmächte die größten Kriegstreiber sind. Ebenso verständlich ist, dass die unterlegenen Militärmächte meist zurückhaltend bleiben und sich nicht dagegen stellen, denn die Reaktion droht fürchterlich zu sein.

Die U.S.A. sind seit dem '2. Weltkrieg' die stärkste Militärmacht mit viel praktischer Erfahrung im Kriegführen. In allen Statistiken über Rüstung und Krieg sind sie weit vorne. Aber nicht nur in direkt militärischen Bereichen, sondern über das ganze Spektrum von Überwachung und 'Sicherheit'.

Sie betreiben ein globales Netz von Militärstützpunkten und Überwachungseinrichtungen. An jedem Krieg verdienen sie nicht nur, sondern haben viel anzubieten, was kriegsentscheidend sein kann. Seien es spezielle Geräte, Waffen, Munition, logistische Fähigkeiten, oder auch 'nur' Informationen in Echtzeit über gegnerische Aktivitäten.

Als permanenter Kriegstreiber der letzten Jahrzehnte sind daher vor allem die U.S.A. zu nennen. Ihre Kriege sind auffällig auch in ihrer Zerstörungsintensität und den hohen Zahlen von Toten und Versehrten. Aber auch Frankreich, England, Russland, und seit dem Anschluß der DDR auch wieder Deutschland, sind bei zahlreichen kriegerischen Einsätzen zumindest beteiligt.

Statt Friedensdividende - 30-jährigen Krieg

Die Sowjetunion beendete in den späten 1980er Jahren den 'Kalten Krieg', als sie eine militärische 'Verteidigung' ihrer osteuropäischen Einflußgebiete ausschloß, und mit den U.S.A. die Bedingungen des Abzugs der sowjetischen Truppen aushandelte. Viele hofften damals auf eine 'Friedensdividende', also eine Zeit der Abrüstung und internationalen Kooperation.

Die U.S.A. interpretieren den Rückzug der Sowjetunion aus Osteuropa als Schwäche. Sie schalteten sofort auf militärische Aggression, um die Lage auszunutzen und ihren Anspruch auf Weltherrschaft zu verdeutlichen.

Als militärisches Kommando, welches die Kriege befehlsführend durchführen sollte, wurde das U.S.-CENTCOM (Central Command) bestimmt. Deutschland ist für alle CENTCOM-Einsätze von zentraler Bedeutung. Dabei geht es um Einrichtungen und Infrastruktur in Deutschland, die für Einsätze im Nahen Osten und Afrika gebraucht werden.

Nach 30 Jahren läßt sich eindeutig bilanzieren, dass mehrere der im CENTCOM-Gebiet liegenden Staaten im Laufe der Jahre nach 1990 durch Krieg zerstört oder ruiniert wurden. Sudan, Somalia, Jemen, Syrien, Irak, Afghanistan, um nur die schlimmsten Geschichten anzusprechen.

Irak

Der Irak wurde als erstes Ziel gewählt. Damals ein aufstrebendes Land, welches die Öleinnahmen für die technische Entwicklung seiner Wirtschaft und den Ausbau seiner Infrastruktur investiert hatte und ziemlich weit gekommen war. Anfang 1991 wurde die Infrastruktur des Iraq durch die 43 Tage andauernde massive Bombardierung weitgehend zerstört.

Es ging den U.S.A. darum, die überlebenswichtigen Versorgungssysteme und Kommunikationsnetzwerke des Irak funktionsunfähig zu machen. Die Auswirkungen für die Bevölkerung wurden verstärkt durch die jahrelange gleichzeitige Anwendung von Blockade, Embargo und Sanktionen gegen den Irak. Ein Massensterben von Menschen war unter diesen Bedingungen unvermeidlich.

Krieg um Afrika

Krieg wurde in Afrikas in den letzten Jahrzehnten weitflächig verbreitet. Nicht nur in der Region der Großen Seen im Süden, sondern auch in der Region des Horn von Afrika, bis nach Sudan und Chad, und auch in Westafrika. An all diesen Kriegen sind vor allen die U.S.A., England und Frankreich durch kriegstreibende Interventionen maßgeblich beteiligt. Ohne eigene Waffenindustrie sind die Kriegstreiber dort schnell auf 'Unterstützung' von außen angewiesen, spätestens wenn die Einkäufe auf den 'freien' Waffenmärkten an ihre Grenzen kommen.

Bei Kriegen in Afrika reichen oft 'kleine' Dinge, wie hochwertige Nachtsichtgeräte, oder zeitige Informationen über die Bewegungen und Pläne der Gegner, um entscheidende Wendungen zu erreichen.

Auffällig ist bei Kriegen in Afrika, dass sie hier bei uns als 'normal' angesehen, und die Kämpfe der Menschen gegen Ausplünderung und für Selbstbestimmung nicht beachtet werden. So werden die Kriege oft in ethnischen Kategorien beschrieben und die gewaltsame Durchsetzung von Interessen der Großmächte bestenfalls am Rande erwähnt.

Auch die vor allem in Afrika wie Pilze sprießenden Militärregierungen finden schnell Unterstützung durch ausländische Großmächte, die sich vor allem in ihrer gemeinsamen Ablehnung und Verhinderung ernsthafter Unabhängigkeitsbestrebungen einig sind.

Selbst eine sehr oberflächliche Beschreibung des umfassenden Krieges, sowie der militärischen Staatsstreiche und Besatzungsoperationen, sprengt den Rahmen dieses Textes. Daher sprechen wir an dieser Stelle nur zwei der tödlichsten Kriegsabschnitte an.

D.R. Kongo (Zaire)

Kaum erinnert wird der Anfang Oktober 1990 begonnene Krieg von Uganda gegen Rwanda. Auf der Seite Ugandas wirkten die U.S.A./England, auf der Seite Rwandas Frankreich/Belgien. Deutschland betätigte sich als Vermittler und handelte ein fürchterliches Abkommen aus, welches letztlich zu dem Massenmord in Rwanda 1994 führte.

Danach trug Rwanda den Krieg in die D.R. Kongo. Zeitweise eskalierte dieser Krieg zum 'Afrikanischen Weltkrieg', an dem Truppen aus 9 afrikanischen Staaten beteiligt waren. Viele Hundertausende starben an den Folgen des Krieges, der immer noch nicht wirklich beendet ist.

Der Kongo leidet seit Jahrhunderten unter dem Reichtum an Rohstoffen, welcher unablässig die Gier ausländischer Mächte anstachelt, die das Land ausplündern und die Menschen mit Gewalt und Abhängigkeiten zur Arbeit zwingen. In den vergangenen Jahrzehnten ging es vor allem um die Kobaltvorkommen.

Somalia

Schon 1992 fanden die Rivalen von Rwanda, U.S.A und Frankreich, zu einer militärischen Intervention unter U.S. Führung in Somalia zusammen. Das war offiziell die erste gemeinsame militärische Operation der beiden Staaten, seit General de Gaulle den Austritt aus der integrierten NATO-Militärstruktur erklärt hatte.

Das ist typisch für die globalen Europäer. Trotz aller Rivalität untereinander finden sie sich immer wieder zu gemeinsamen Aggressionen gegen 'die Anderen' zusammen. Erinnern wir an dieser Stelle die 'Kongokonferenz' in Berlin vom Winter 1884/85, wo die Bedingungen für die gemeinsam betriebene gewaltsame Unterwerfung Afrikas ausgehandelt wurden.

Somalia ist eines der wenigen Staaten Afrikas, welches aus einer einzigen Nation besteht. Im Gegenteil, unter den kolonialen Mächten (Frankreich, England, Italien und Äthiopien) wurden somalische Gebiete gewaltsam aufgeteilt und unterschiedlichen Staaten zugeordnet. Im Zuge der Unabhängigkeitskämpfe in Afrika organisierten sich Somalis für eine Wiedervereinigung.

Die Lage Somalias am Golf von Aden macht es zu einem wichtigen Ziel großmächtiger Interessen, die das Land nicht zur Ruhe kommen lassen. Die Konflikte mit den Nachbarstaaten um die Unterdrückung von Somalis und Bewegungen für Wiedervereinigung oder Unabhängigkeit von den kolonialen Nachfolgestaaten wurden immer wieder ausgenutzt, um Spannungen zu eskalieren.

Somalia befindet sich seit Jahrzehnten im Krieg, mit abwechselnden Konstellationen der intervenierenden Großmächte. Nach 1992 wurde der Krieg immer wieder von abwechselnden Besatzungstruppen weitergetrieben, die von den U.S.A. unterstützt werden. Die U.S.A. selbst sind seit 2007 bis heute in Somalia in direktem militärischen Einsatz. Der somalische Staat existiert nur noch formell.

Es gibt keine auch nur halbwegs vertrauenswürdigen Zahlen über die Opfer dieses Dauerkrieges, der, kombiniert mit periodischen Trockenheiten und Heuschreckenplagen, die bekanntermaßen tödlichsten Bedingungen durch Zusammenwirken von Hunger, Seuchen und Krieg herstellt.

Die anderen europäischen Großmächte ebenfalls auf Kriegskurs

Nachdem die U.S.A. in ihrer Rolle als globaler Führungsmacht jegliche Hoffnung auf eine 'Friedensdividende' zerstört und die Bedingungen im Kampf um Einfluß und Vorherrschaft klar gemacht hatten, nutzten auch andere Großmächte Krieg als Mittel zur Durchsetzung ihrer Machtinteressen.

Russland griff Tschetschenien 1994 und erneut 1999 an, bevor der Widerstand weitgehend gebrochen war. Frankreich hat immerzu Truppen in ihren alten afrikanischen Kolonien im Einsatz, ist allerdings zu schwach geworden, um eigenständig Krieg zu führen. Das bedeutet, dass es Hilfstruppen über die U.N. (Elfenbeinküste) und E.U. (Mali) organisieren muss und bei größeren Einsätzen auf Unterstützung von den U.S.A. angewiesen ist (Libyen).

Bei den Kriegen in Jugoslawien war Deutschland dann 1999 erstmalig wieder offiziell mit Truppen im Auslandseinsatz. Und zwar, wie schon in den zwei 'Weltkriegen' zuvor, erneut gegen Serbien. Lange Jahre wurden Tausende deutsche Soldaten in den besetzten oder annektierten Gebieten Jugoslawiens eingesetzt.

Erneute Ausweitung des Krieges nach 911

Nach den Anschlägen vom 9. September 2001 (auf die Twin Towers in New York City, und dem versuchten Anschlag auf das Pentagon in Washington DC), riefen die U.S.A. offiziell zum weltweiten Krieg auf, dem GWoT (Globaler Krieg gegen Terror). Dieser Krieg ist weder zeitlich noch räumlich begrenzt. 'Krieg gegen Terror' ist der Überbegriff für eine Vielzahl von Überwachungs- und Unterdrückungsmaßnahmen. Propagiert wurde diese Eskalation vor allem in den ersten Jahren als ein 'Krieg gegen Islam'.

Die ersten Opfer waren Tausende von Menschen in den U.S.A., die ohne Anklage und rechtlichen Beistand auf unbestimmte Zeit inhaftiert wurden. Innerhalb von wenigen Tagen wurden die Befugnisse von Geheimdiensten, Polizei und Militär extrem erweitert, und parallel die Kontrollorgane geschwächt. Nur wenig wurde von den Maßnahmen zurückgenommen.

Staatsanwälte und Gerichte nutzten die neuen Möglichkeiten für politisch motivierte Verurteilungen. In New York City wurde sogar eine bekannte Anwältin unter speziellen Terrorparagraphen inhaftiert, und schließlich zu jahrelanger Haftstrafe verurteilt, weil sie es gewagt hatte, einen 'Terroristen' ernsthaft zu verteidigen.

Eine unbekannte Zahl von Menschen wurde entführt, gefoltert und ermordet. Es sind Tausende, aber es können auch viel mehr sein. Nur wenig kam davon an die Oberfläche. Willkürliche Ermordungen im Rahmen des 'Anti-Terror' Krieges sind weiterhin eine alltägliche Realität.

Militärische Überfälle und Besatzungen vielerorten

Im Herbst 2001 wurde Afghanistan von den U.S.A. überfallen und besetzt. Ein koloniales Regime wurde installiert, welches erst nach 20 Jahren Besatzung aufgegeben wurde. Deutschland war durchgängig eine der führenden Besatzungmächte.

Erneut wurde Irak 2003 angegriffen. Auch im Irak wurde ein koloniales Regime installiert. Nur mit Hundertausenden von U.S. Truppen und extremen Zerstörungen aus der Luft, und mit Hilfe inoffizieller iranischer Truppen, konnte der nationale irakische Widerstand gebrochen, die Bevölkerung gespalten (Sunni-Schia), und die koloniale Herrschaft durchgesetzt werden. Die direkte Besatzung endete erst mit dem Abzug der U.S.-Truppen 2020/21. Irak ist heute hilflos und schwach ausländischen Mächten ausgeliefert.

2008 interventierte Russland militärisch für die Abtrennung von Abchasien und Südossetien von Georgien. Die Abtrennung ist seither faktische Realität. Es gab keine Versuche Georgiens zur militärischen Rückeroberung der abtrünnigen Regionen.

2011 überfielen Frankreich und England mit Hilfe der U.S.A. Libyen. Der Staat besteht seither nicht mehr.

Syrien wurde bald darauf in einen langjährigen Krieg gestürzt. Die U.S.A., England, Frankreich und Israel flogen Zehntausende von Luftangriffen gegen Ziele in Syrien. Mit Hilfe ihrer Verbündeten (Deutschland, Türkei, Saudi Arabien) unterstützten oder organisierten sie zudem Milizen gegen die syrische Regierung für den Bodenkampf. Russland bombardierte auf der Seite der syrischen Regierung und konnte letztlich einen Umsturz der Regierung und den Zusammenbruch des Staates verhindern. Noch immer sind Teile Syriens besetzt.

Parallel zum Krieg gegen Syrien wurde auch der Krieg im Jemen eskaliert. Hier wurde ein Aufstand gegen die von den U.S.A. und Saudi Arabien unterstützte Regierung mit massiven Luftangriffen Saudi Arabiens bekämpft. Unter 'Führung' von Saudi Arabien wurde eine breite Kriegskoalition 'sunnitischer' Staaten gegen 'schiitische' Rebellen in Jemen gebildet, die ausländische Besatzungstruppen ins Land brachte. Iran wird von den U.S.A. und Saudi Arabien Unterstützung der Rebellen vorgeworfen, aber iranische Truppen sind nicht direkt im Jemen eingesetzt. Der Krieg dauert an.

2022 griff Russland die Ukraine an und besetzte Teile des Landes. Der Krieg dauert an.

Dauerhaft und immer wieder

Nicht unerwähnt bleiben darf Haiti als ein andauerndes Opfer der U.S.A., die dort 1994, 2004 und erneut 2010 einfielen. Auch für die Zwischenzeiten wurden Besatzungstruppen über andere Staaten organisiert und eingesetzt, die zur Absicherung der Regierung dienten.

Vergessen können wir auch nicht die über Jahrzehnte andauernden Besatzungen in Palästina und Kashmir.

Sicherlich ist die Auflistung unvollständig. Meine Entschuldigung geht an all diejenigen, denen Leid durch Krieg zugefügt wurde, an dem Deutschland direkt oder indirekt beteiligt war und ist.

Zusammenfassende Bemerkungen

Der Kriegszyklus, welcher mit den Bombardierungen des Irak 1991 begann, später nochmal ausgeweitet wurde mit Hundertausenden U.S. Soldaten in Rotation für mehrere parallel geführte 'große Kriege', kam erst unter Präsident Trump zum Ende, oder sagen wir besser, er wurde vorübergehend unterbrochen.

Millionen von Menschen sind an den Folgen der Kriege gestorben, die unter Oberhoheit der U.S.A. während der letzten 3 Jahrzehnte geführt wurden. Die Zahlen der Opfer scheinen übertrieben hoch zu sein. Aber die basieren eher auf zurückhaltenden Schätzungen. Wie viele Menschen überleben den Hunger nicht lange, der sich in den Kriegsgebieten ausbreitet? Welche Krankheiten breiten sich als Folge zerstörter Infrastruktur aus? Wie viele sterben an einfach zu behandelnden Krankheiten weil das Gesundheitswesen zusammenbricht, oder Medikamente unbezahlbar sind? Tödlich wirkt vor allem das Zusammenwirken von Hunger, Krankheiten und Krieg. Aber wir wünschen uns natürlich alle, dass es vielleicht nicht ganz so viele Tote gewesen sein mögen.

Wir können uns mit jedem dieser 'Kriege' einzeln für sich beschäftigen. Das ist ohnehin sehr schwierig, denn wichtige Informationen über Krieg liegen in Geheimakten verborgen, auf die wir Jahrzehnte warten müssen. Zudem haben wir es mit professionellen Lügenverbreitern zu tun, deren Aufgabe die Erzeugung fiktiver, und die Unterdrückung für ihre Seite problematischer 'Wahrheiten' ist. Da tappen wir oft im Dunkeln oder gehen falschen Fährten nach.

Bei näherer Betrachtung werden wir jedoch herausfinden, dass es zu jedem Krieg verschiedene Blickwinkel und Erzählungen gibt. Und wir finden heraus, dass Krieg die von ihm betroffenen Länder ruiniert und den Massen einfacher Menschen vor allem Leid und Armut bringt. Die Bevölkerungen der auswärtigen kriegführenden Staaten leben derweil sicher und unversehrt. Sie sind kaum betroffen von den Folgen, verstehen auch sonst nichts vom Krieg, und stellen sich doch meist auf die Seite ihrer kriegstreibenden Regierungen.

Werden all diese Kriege als voneinander getrennt betrachtet, dann bleiben wichtige Zusammenhänge verdeckt. Seit Jahrhunderten schon führen die europäischen Großmächte Krieg zur Ausweitung ihrer Macht durch gewaltsame Eroberung und Unterwerfung. Nur dadurch konnten sie überhaupt zu Großmächten werden. Nur dadurch können sie ihre Positionen und Privilegien aufrechterhalten. Daran hat sich nichts geändert.

Kriege werden Jahre vorher gedacht, geplant, vorbereitet und eingeübt, bevor sie schließlich durchgeführt werden können. Entsprechend wird auch Propaganda begleitend betrieben, denn auch die Bevölkerung muss vorbereitet werden. Gedankenmuster müssen geprägt und verfestigt werden, damit sie im Kriegsfall aktiviert werden können. Noch während eines laufenden Krieges wird der nächste schon vorbereitet.

Die vielen einzelnen 'Kriege' sind besser erklärt als Zyklen und Episoden eines langen und permanent betriebenen Krieges von Europa aus, wo es um weltweite Herrschaftsansprüche geht, die nur mit Gewalt hergestellt und aufrechterhalten werden können. Der Krieg hat aber auch eine dynamische Komponente, denn auf die lange Zeit gesehen verschieben sich die relativen Gewichte der Großmächte untereinander und es kommt zu Kriegen untereinander und in der Folge zu Verschiebungen der Einflußgebiete. Gemeinsam sind sie sich aber immer bewußt, und sie handeln auch danach, dass ihre Machtposition letztlich auf der permanenten Unterjochung und Ausbeutung der Mehrheit der Völker weltweit beruht und weiter beruhen soll.