Verweigern wir uns dem Krieg

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Die Gewaltspirale und die Grenzen der Gewalt

In diesem Text geht es um Gewalt, konkret um den Willen zur Gewaltanwendung. Gewalt wird zur Durchsetzung von Interessen genutzt. Gewalt macht Angst und zerstört Vertrauen. Das gilt im Persönlichen wie im Politischen.

Normalerweise hatten Gemeinschaften Mittel, die Gewalt in Grenzen zu halten, denn sie wussten von den zerstörerischen Wirkungen. In Europa wurden diese Begrenzungen immer mehr geschwächt und es ist eine Spirale der Gewalt in Gang gekommen, welche die Grenzen der Gewalt immer weiter verschiebt. Gewalt ist zu einer weltweiten Seuche geworden.

Geschichte von Oben

Schon im Geschichtsunterricht an den Schulen hören die Kinder, dass es um Herrscher und Kriege geht, und scheinbar immer gegangen ist. Hervorgehoben werden die schlimmsten Kriegstreiber und Massenmörder, die ihre Machtgebiete ausgeweitet haben. Zudem gilt die alte Regel: Die Geschichte der Kriege ist vor allem die Geschichte der Sieger. Es ist ihre Perspektive, die durchgesetzt wird.

Durch diese Art der Geschichtsvermittlung wird der Großteil der Menschheit ausgeschlossen. Für diejenigen Völker, die friedlich gelebt haben, wo von keinen großen Eroberungen und mächtigen Herrschern zu berichten ist, gibt es keinen Platz in unserer Geschichtsschreibung. Weitgehend unbeachtet bleiben auch die Perspektiven und Realitäten der einfachen Menschen ohne Rang und Reichtum.

Ignoriert werden die langen Zeiten, wo Menschen friedlich nebeneinander-miteinander gelebt haben. Und dennoch war Frieden über Jahrtausende der Standard für den Großteil der Menschen weltweit. Wenn es überhaupt dazu kam, dann waren bewaffnete Konflikte meist schnell wieder beendet, denn die Gemeinschaften litten allzu sehr an den Folgen.

Grenzenloser Wille zur Gewalt

Spanische und portugiesische Herrscher begannen im fünfzehnten Jahrhundert eine Form von Krieg zu globalisieren, die vom grenzenlosen Willen zur Gewalt geprägt ist. Sie schickten Händler und Truppen zu fernen Ländern, bewaffnet mit der Bereitschaft, ohne Hemmungen zu rauben, plündern, betrügen, foltern, versklaven und massakrieren. Zahlreiche Völker haben sie im Verlauf ihrer Eroberungen schließlich ausgerottet. Derweil redeten sie sich ein, zu diesen Schandtaten im Namen des christlichen Glaubens berechtigt zu sein.

Sie forderten nicht einfach Tribut, und waren auch nicht mit Kriegsbeute zufrieden, sondern für sie stand immer das Ziel im Vordergrund, den Menschen alles zu nehmen, was die Europäer als für sich wertvoll ansahen. Diejenigen, die nicht zur Ausrottung vorgesehen waren, mußten fortan für die Europäer arbeiten, damals vorzugsweise als Sklaven, heutzutage als billige Arbeitskräfte. Natürlich konnten und können solche Beziehungen nur mit extremer Gewalt durchgesetzt und aufrechterhalten werden.

Es war schon damals normale Praxis der Europäer, Kämpfe mit den Kriegern der von ihnen Angegriffenen möglichst zu vermeiden. Am liebsten überfielen sie die Wohnstätten und Dörfer, wenn nur die Alten, Frauen und Kinder mit einer kleinen Wachtruppe anwesend waren. Dann massakrierten sie und setzen die Wohnstätten in Brand.

Eine andere beliebte Taktik war die Vernichtung von Nahrungsquellen und Vorräten. Am bekanntesten sind vielleicht die Bilder von Tausenden verrottender Kadaver von Bisons, der wichtigsten Nahrungsquelle der Indianer in der Prärie-Region der 'Great Plains'. Die gezielte Verbreitung von Krankheiten gehörte ebenso zum Alltag kolonialer Eroberungen und Ausrottungsmaßnahmen.

Gerne hetzten sie auch die Gruppen gegeneinander auf, machten den einen Geschenke und gaben ihnen Waffen, damit sie ihre Nachbarn angreifen. Oder sie verschleppten Untertanen aus bereits unterjochten Gebieten, um sie gegen andere Völker in den Krieg zu schicken.

Entscheidend war nicht so sehr die Überlegenheit der Waffen, die erst viel später im Zuge der Industrialisierung erreicht wurde, sondern der unbändige Wille zur Gewaltanwendung. Dieser Wille treibt eine Spirale der Gewalt an, die jegliche Grenzen der Gewalt immer wieder überwindet. Es wird so getan, als sei dieser Wille zur Gewalt eine normale menschliche Haltung. Dem ist jedoch nicht so. In den Jahrtausenden überlieferter Geschichte finden wir nur sehr wenige vergleichbare Beispiele derartiger Exzesse.

Diese Art von Krieg wurde nicht nur globalisiert, also flächenmäßig verbreitet, sondern mit der Entwicklung der Waffentechnik auch intensiviert, also immer vernichtender. Die mit Atombomben bestückten Interkontinentalraketen sind das entsprechende Symbol dieser Entwicklung. Die jetzige Phase der Waffenentwicklung ist hingegen geprägt von der Automatisierung des Krieges, wo Soldaten im Büro am Bildschirm sitzen und per Datenübertragung in fernen Ländern ungefährdet töten und zerstören.

'Globalisierung' basiert auf Gewalt

Krieg ist sicherlich keine ausschließlich europäische Praxis. Allerdings sind Europäer seit einigen Jahrhunderten der Motor einer Spirale der Gewalt, die unaufhaltsam scheint und die Grenzen der Gewalt immer weiter verschiebt.

Das was heute 'Globalisierung' genannt wird, begann mit dem Anspruch einiger europäischen Großmächte, ihre Oberherrschaft weltweit durchzusetzen, den einmal 'entdeckten' Völkern mit Gewalt alles zu nehmen, um sich selbst zu bereichern. Diesen Anspruch übernahmen alle europäischen Großmächte, die es seither gab. Dazu zählen natürlich auch die kolonialen Siedler aus Europa, die im Laufe der Zeit selbst die Herrschaft in einigen Kolonien übernahmen. So wurden die U.S.A. mit der Zeit zum größten Kriegstreiber.

Vom Beginn der 'Globalisierung' vor über 500 Jahren bis heute hat sich am Willen zur Gewalt nichts wesentliches geändert. Es geht immer noch um global erhobene Herrschaftsansprüche der jeweiligen 'Weltmächte' ihrer Epoche. Diese werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln so weit durchgesetzt, wie es geht. Der Wille zur Gewalt ist dabei nur durch technisch-logistische Gegebenheiten oder durch taktische Kalkulationen beschränkt.

Das bedeutete in der Praxis permanenten Krieg. Kaum finden wir Jahre, wo nicht eine oder mehrere europäische Mächte Krieg führten. Erst im Namen des Christentums, dann im Namen der Wissenschaft, heute im Namen von Fortschritt, Demokratie und Menschenrechten. Die Diskurse änderten sich, aber der Kern blieb immer derselbe. Es wird eine Hierarchie konstruiert, welche ein Recht, oder gar eine Pflicht zur Unterdrückung und Vernichtung 'minderer' Völker mit der Überlegenheit der Gewalttäter begründet.

Logik der Gewalt

Der 'Stärkere', im Sinne von der Gewalttätigere, setzt sich durch. Wenn der Wille zur Gewalt stark genug ist. Wenn die Menschen keinen ausreichenden kollektiven Widerstand gegen Gewalt leisten. So heißt es, nach unten treten, nach oben ducken. Wer sich nicht durchsetzen kann, gilt als schwach.

Die Logik der Gewalt hat sich in unseren Gesellschaften ausgebreitet und ist zur Norm geworden. Im allgemeinen Verständnis kann Gewalt daher nur durch größere Gewalt kontrolliert werden. Allerdings wird diese Gewalt dann auch zu einem noch größeren Problem. In unseren Staatsgebilden wurde dementsprechend auch die Gewalt monopolisiert, der Staat als einzig 'legitime' Gewalt gesetzt. Um nicht völlig grenzenloser Gewalt und Willkür ausgeliefert zu sein, wurde eine institutionelle Gewaltenteilung hinzugefügt. Als Untertanen sind wir den staatlichen Gewalten fast vollständig unterworfen.

Permanenter Krieg ist ein Resultat des unbegrenzten Willens zur Gewaltanwendung. Auf internationaler Ebene gibt es daher ähnliche Vorstellungen von einer Über-Macht, eine Weltherrschaft über alles und alle, der sich niemand mehr entgegen stellen kann. Diese Idee finden wir oft hinter der breiten Akzeptanz der Aggressionen der U.S.A., die von vielen als 'Weltpolizist' akzeptiert werden.

Der Wille zur Gewalt wird als so unkontrollierbar und unabänderlich wahrgenommen, dass eine Eindämmung der Gewalt nur noch durch absolut überlegene Gewalt gelingen kann. Das Konzept basiert insgesamt auf der Kapitulation vor der Gewalt.

Solche Ansichten über Gewalt sind das Ergebnis einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung in Europa, die seit Jahrhunderten zerstörerische Tendenzen im Handeln der Menschen systematisch begünstigt. Unsere Gesellschaften sind so konstruiert, dass ein stark ausgeprägter Wille zur Gewalt sich zum Vorteil der Gewalttägigen auswirkt. Damit einher geht ein Menschenbild, wo alle gegen alle kämpfen, wo die 'Starken' sich durchsetzen und die 'Schwachen' dominiert werden. Häufig wurde auch noch darüber philosophiert, dass diese brutale und asoziale Hierarchie letztlich zum Wohle aller sei.

Ein solches Denken zeigt vor allem die Erkrankung oder Korruption derer, die es vertreten. Ansonsten ist nicht zu erklären, warum statt der Gewalt, die Angst erzeugt, Vertrauen zerstört und Menschen erniedrigt, nicht sozial nützliche Eigenschaften als fundamentale Grundlagen menschlicher Gemeinschaften angenommen werden.

Aufbauend auf wechselseitiger Akzeptanz (leben und leben lassen), der Bereitschaft zum Ausgleich (geben und nehmen), zur friedlichen Verständigung und gegenseitigen Hilfe, kann erfahrungsgemäß die Gewalt gemeinschaftlich weitgehend eingedämmt werden, ohne Gewalt anwenden zu müssen. Die härteste Maßnahme gegen Gewalttäter war dementsprechend traditionell der Ausschluß aus der Gemeinschaft.

Verschiebung der Grenzen

Auf Gewalt mit größerer Gewalt zu reagieren führt nur dazu, dass die Grenzen der Gewalt immer weiter ins Zerstörerische verschoben werden. An diesem Punkt hören wir oft von der 'guten' und 'bösen' Gewalt. Das Argument macht jedoch keinen Sinn, denn im Kern macht es keinen Unterschied, wie die Gewalt legitimiert wird.

Ob eine Bombe im 'guten' oder 'bösen' Zusammenhang explodiert, ändert an den faktischen Auswirkungen nichts. Die Bombardierungen englischer, russischer oder deutscher Städte im '2. Weltkrieg' waren von daher gleich. Die Angriffe gegen japanische Städte mit Atomwaffen beinhalten hingegen eine Verschiebung der Grenzen der Gewaltanwendung. Brauchte es vorher Hunderte von Bombern mit Begleitschutz, die Tausende Bomben abwarfen, reichte nun ein Bomber, der aus großer Höhe eine Bombe abwarf. Der kollektive Angriff gegen die Bewohner von Hiroshima und Nagasaki und die wahllose Ermordung Zehntausender hatte eine neue Qualität. Dabei ging es nicht einmal mehr um militärische Ziele im eigentlichen Sinne, denn Japan stand ohnehin kurz vor der Kapitulation.

Bomber wurden in den Jahren danach durch Interkontinentalraketen (ICBM) ergänzt, die nicht einmal mehr Piloten erfordern. Dadurch, dass es der Sowjetunion und China schnell genug gelang, ebenfalls Atomsprengköpfe und Interkontinentalraketen zu produzieren, sind allerdings neue Grenzen der Gewaltanwendung entstanden, die als MAD (Mutually Assured Destruction - Wechselseitig Gesicherte Zerstörung) bekannt wurden. Seither wird natürlich intensiv an der Überwindung dieser Grenzen, beispielsweise durch Raketenabwehrsysteme und vernichtende Erstschlagskapazitäten, gearbeitet.

Betrachten wir für einen Moment Vietnam und Irak

Die Verbreitung des Sozialismus wurde bald nach dem '2. Weltkrieg' als die große Gefahr propagiert. Es galt, die Ausbreitung des Sozialismus in Vietnam zu verhindern. Vietnam, welches bereits Jahrzehnte anti-kolonialer Kämpfe gegen Frankreich und Japan hinter sich hatte, wurde von den U.S.A. jahrelang mit Krieg überzogen. Millionen von Vietnamesen wurden getötet und viele mehr verwundet. Dennoch mußten die U.S.A. 1973 abziehen.

Die hohen finanziellen Kosten und Tausende von toten und verletzten U.S.-Soldaten hatten den Kriegswillen in der Bevölkerung der U.S.A. zu sehr geschwächt. Damals sprach die U.S.-Außenpolitik davon, zukünftig Asiaten gegen Asiaten kämpfen zu lassen, statt eigene Soldaten einzusetzen. Der Organisierung von Kriegen durch Verwendung von lokalen Gruppierungen und Milizen sei dem direkten Einsatz von Truppen der U.S.A. vorzuziehen. Das lag in der Tradition von England, welches sein Kolonialreich weitgehend durch indirekte Herrschaftsmethoden kontrollierte, also durch Abhängigkeiten, Ungleichgewichte, Korruption, Spaltung, angetrieben von geheimdienstlichen Manipulationen und Angriffen.

Es dauerte einige Jahre, bis das sog. Vietnam-Trauma so weit vergessen war, dass die U.S.A. wieder direkt und offen selbst Krieg führten. Es traf zuerst kleine Länder ohne Lobby - Grenada und Panama.

Die Angriffe auf den Irak waren der erste große Krieg der U.S.A. nach Vietnam. Was war gelernt worden? Erstens, es darf nur wenig 'eigene' Opfer geben. Zweitens, die Informationen über den Krieg müssen gesteuert, und unabhängige Berichterstattung von Journalisten verhindert werden.

Absolute Lufthoheit konnte innerhalb kürzester Zeit durchgesetzt werden. Die irakischen Panzer wurden mit der damals noch neuen DU-Munition (Uran) aus großer Entfernung von Hubschraubern aus zerstört. Diese Verbände wurden damit ihrer Mobilität beraubt und ineffektiv. Faktisch hatte die irakische Armee keine Möglichkeit zur Abwehr oder gar Gegenwehr.

Militärische Konfrontationen wurden fast vollständig vermieden. Es ging bei dem Überfall nur gegen die Menschen im Irak. Die Verseuchung ganzer Gebiete mit radioaktiver Strahlung, die Zerstörung der Kläranlagen und Abwassersysteme schufen die Voraussetzungen für ein Massensterben. Die gefährdetsten Gruppen wurden dadurch am härtesten getroffen, die Kranken, die Alten, die Frauen und Kinder.

Die Grenzen der Gewalt waren erneut verschoben worden. Die Medienberichte wurden gesteuert und der Krieg auf den Bildschirmen zur virtuellen Realität mit Unterhaltungsqualitäten. Hunderttausende Opfer wurden nicht nur hingenommen, sondern als notwendig für die Bekämpfung des 'Bösen', personifiziert als Präsident Hussein, dargestellt.

Aktuelle Grenzen

Trotz all der technischen Überlegenheit und extremen Fähigkeit und Bereitschaft zur Zerstörung, haben sich Grenzen gezeigt. Gegenüber den Luftangriffen gibt es keine Möglichkeit zur Gegenwehr. Sobald die Truppen jedoch als Besatzer im Land sind, können sie bekämpft werden. Auch dabei gilt allerdings, dass direkte Konfrontationen mit größeren Einheiten von Besatzungstruppen aufgrund ihrer Feuerkraft möglichst zu meiden sind. Daher bleibt dem Widerstand nur eine langfristig angelegte, asynchrone Kriegführung, welche mit den Jahren die Besatzer zermürbt.

Im deutschen Kontext ist Afghanistan das beste Beispiel. Trotz zeitweise Hundertausender NATO-Soldaten und Einheiten von PMSPs (Privaten Anbietern von Militärdienstleistungen) gelang es nicht, den afghanischen Widerstand zu besiegen. Den Besatzern blieb letztlich nur der Rückzug, aber sie hinterlassen ein ruiniertes Land. Darüber hinaus organisieren sie bewaffnete Gruppen, um Frieden zu verhindern, sowie handelspolitische und finanzielle Massnahmen, die eine wirtschaftliche Erholung blockieren sollen.

Koloniale Beziehungen werden fortgesetzt

Wir alle werden immer in eine Welt geboren, die schon geworden ist. Alles hat seine Wurzeln. So ist unser materieller Wohlstand aus der Kolonisierung zahlreicher Völker weltweit gewachsen, und gespiegelt eben auch deren Armut.

Der transatlantische Sklavenhandel, der Raub von Produktionsanlagen im Zuge der gewaltsamen Zerstörung der indischen Textilindustrie waren notwendige Voraussetzungen für die Industrialisierung in England. Die gewaltsame Aneignung und Monopolisierung von Wissen durch die Kolonialmächte, im Zusammenspiel mit der Unterbrechung der Eigenentwicklung der unterdrückten Völker, sind das Fundament der technologischen 'Überlegenheit' der Europäer.

An dem unbedingten Willen zur Gewalt hat sich bei den großen Kriegstreibern nichts geändert. Die Entwicklungen der Waffentechnik und Organisation der Kriege macht diese allerdings einerseits für die Angegriffenen immer hoffnungsloser und vernichtender, andererseits für die Angreifer immer sicherer. Haben die Soldaten in früheren Zeiten die Dörfer heimgesucht, so fliegen heutzutage Raketen und allerlei bemannte und unbemannte Flugkörper Bombenangriffe. Das Töten ist und wird immer unpersönlicher.

Bis heute hat sich daher auch an den 'Nord-Süd'-Beziehungen nichts grundlegendes geändert. Die vielerorten aufflammenden Kämpfe der Menschen in den kolonisierten Gebieten wurden und werden brutal niedergeschlagen, die Vorherrschaft der Kolonisierergesellschaften kaum ernsthaft angetastet. Das läßt sich einfach ablesen an den Handelsströmen und Wertfestlegungen. Die wohlhabenden Länder räubern und plündern und lassen massenhaft Menschen billig für sich arbeiten. Die kolonisierten Länder wurden verarmt und sollen es auch bleiben. Lieber spenden wir für die Armen, als ihnen zu erlauben, ihre missliche Lage grundlegend zu ändern.

Krieg ist eine Entscheidung

Krieg scheint 'normal', denn wir wurden daran über Generationen gewöhnt. Es ist aber eine Entscheidung, Krieg vorzubereiten und durchzuführen. Es muss ein Wille zur Gewaltanwendung vorhanden sein. Der Wille könnte und kann aber auch in die andere Richtung gehen, Krieg unmöglich zu machen.

Die mächtigen Interessengruppen und Staaten werden totsicher die Gewaltspirale weitertreiben, denn davon hängen ihre Privilegien und Positionen ja ab. Die Großfressen und Besserwisser helfen uns sicher auch nicht, denn dann stünden sie schwach und angreifbar da. Von 'Oben' können wir keine Besserung erwarten.

Wurzeln des extremen Willens zur Gewalttätigkeit

Der Schlüssel und Kern für den extremen Willen zur Gewalttätigkeit finden wir vielleicht im vorherrschenden Verhältnis zum Leben. Wer Leben nur in Bezug zum eigenen Nutzen als wertvoll erachtet, hat ein grundsätzlich gewalttätiges Verhältnis zum Leben. Dann wird Leben einfach vernutzt und missbraucht, oder auch vernichtet, wie es gerade passt. Wir nennen das koloniale Beziehung zum Leben. Wenn sich solche Beziehungen durchgesetzt haben, dann ist eine grundsätzlich zerstörerische Entwicklung unausweichlich.

Beispielhaft dafür ist die industrielle Landwirtschaft. Der Vernutzungszyklus beginnt heutzutage normalerweise mit der nahezu totalen Ausrottung allen Lebens auf den Feldern. Dann wird der Boden monopolisiert für eine einzelne Pflanzensorte. Zwischendurch werden mehrfach weitere Vernichtungsaktionen durchgeführt. Alles unkontrollierte Leben gilt dabei als schädlich, weil nur der Ertrag einer einzigen Sorte pro Hektar zählt.

Was für nicht-menschliches Leben gilt, wird fast zwangsläufig auch auf Menschengruppen angewendet. Erst Kirche und Christentum, dann der Rassismus und die Fortschrittsideologie lieferten die Begründungen, andere Menschen in Kategorien einzuordnen, um sie als minderwertig oder auch schädlich anzusehen. Diese Unterscheidungen gelten aber immer nur temporär und fließend. Allzu leicht ist eine neue Kategorie geschaffen, mit der weitere Gruppen von Menschen degradiert werden. Es geht schließlich einfach um die Legitimierung von Gewalt.

Immer häufiger trifft die Gewalt uns alle, wenn beispielsweise die Körper zu Objekten gemacht werden. Frauen, als eine ebenfalls degradierte Gruppe, sind schon lange von dieser Gewalt betroffen. Denken wir an Minderwertigkeitsgefühle wegen körperlicher 'Mängel', an die eingeschnürten Unterleiber der Frauen, oder an 'Schönheitsoperationen'. Was sind diese anderes als Ausdruck gewalttätiger Beziehungen? Welche 'genetischen Fehler' und 'Korrekturmaßnahmen' kommen als nächstes? Die Spirale der Gewalt wird letztlich alle Grenzen immer wieder überschreiten.

Wie können wir aus der Gewaltspirale ausbrechen?

Die Spirale der Gewalt wird angetrieben vom Willen, Gewalt zur Durchsetzung von Machtinteressen zu nutzen. Das findet überall jederzeit bei uns statt. Die Spirale der Gewalt hat seit Generationen ihre zerstörerische Wirkung entfaltet. Wir wachsen in einer gewalttätigen Gesellschaft auf und werden immer davon geprägt sein.

Gewalt ist zwar überall fühl- und beobachtbar, wird aber im Allgemeinen übersehen. Das liegt daran, dass die alltägliche Gewalt von uns als normal und unabänderlich wahrgenommen wird. Wir haben zahlreiche Ausflüchte, Gewalt zu leugnen oder gar zu rechtfertigen. Ständig drängt und zieht es uns weg von unangenehmen Wahrheiten über uns selbst, unsere Familie und Freunde. Wir wollen nicht sein, wer wir sind und wir belügen uns daher ständig, jeder für sich und alle untereinander.

Gewalt macht Angst und Gewaltanwendung zerstört Vertrauen, nicht zuletzt Selbstvertrauen. Gewalt erniedrigt, ängstigt und beschädigt. Da fällt es schwer, nüchtern und konzentriert bei der Sache zu bleiben, vor allem, wenn Kommunikation über Gewalt durch persönliche Angriffe behindert oder abgewürgt wird.

Lass uns erinnern: das muss so nicht sein, und nur wir selbst können daran was ändern. Wie können wir aus der Gewaltspirale ausbrechen? Gewaltausübung ist eine Sache des Willens zu verletzen und zu zerstören. Alles beginnt damit, diesen Willen wahrzunehmen und bei sich selbst zu finden. Zu bemerken, dass jemand erniedrigt und verletzt wird, und die eigenen Handlungen in Bezug zu und als Reaktion auf Gewalt zu untersuchen.

Ganz wichtig ist es, sich selbst als Gewalt ausübend zu erkennen. Wir sollten es dabei strikt vermeiden, eine Skala von Gewalt aufzustellen, wer oder was mehr oder weniger gewalttätig sei. Es geht auch nicht um Schuld und Beschuldigungen, oder die Zuordnung zu Täter- und Opferkategorien. Es kann nur darum gehen, den eigenen Willen zur Gewalt kontrollieren zu lernen, gemeinschaftlich wachsam zu sein und sich im persönlichen Umfeld gegen Gewaltanwendung zu stellen.

Der Weg aus der Spirale hat viel mit dem Unterbrechen von antrainierten Abläufen zu tun. Mit dem Betrachten unserer Handlungen ohne Schuldgefühle und ohne Suche nach Rechtfertigung. Aber dafür mit Trauer und widerständiger Beharrlichkeit.