Deutschland als Großmacht
Thesen zum Kriegsgeschehen in der Ukraine
Laufende Kriege zu erklären ist ein höchst spekulatives Unterfangen. Die Informationslage erlaubt nichts anderes als undeutliche Einblicke, die immer auch manipuliert sein können. Ganze Irrpfade sind ausgelegt, denn es geht darum, die Einstellung der Bevölkerung zu beeinflussen. Sogenannte PsyOps (Psychologische Operationen) sind ein bedeutender Teil jedes Krieges.
Krieg hat immer mit Verschwörung und Lügen zu tun. Verbündete können Gegner sein, und Gegner verbündet sein. Es geht um Interessen und Herrschaft, die mit Gewalt befördert werden. In unserer Geschichte finden wir zahlreiche Beispiele, die Anregungen für kreative Erklärungsversuche liefern.
Durch die Dämonisierung des 'Feindes' und dem damit einhergehenden binären Gut-Böse Umschalter haben es Werbeagenturen leicht, der Masse der deutschen Bevölkerung den Krieg als notwendig und gerecht zu verkaufen. Putin ist 'böse' - Russischer Angriffskrieg - fertig.
Wenn Dämonisierung funktioniert, also die Masse der Empfänger sich auf solche Denkschemen einläßt, wird jeder Weg zum sachlichen Nachdenken und Verstehen gesellschaftlich blockiert. Alles wird binär bewertet und entsprechend verbal kodiert, bevor das Nachdenken überhaupt beginnt. Leider ist von einer Hetzkampagne zur anderen bei der Bevölkerung kein Lernvorgang zu bemerken.
Synchroner Krieg
Das besondere an dem Krieg in der Ukraine ist die relative Ausgewogenheit der eingesetzten Waffensysteme. Alle während der letzten Jahrzehnte von den Großmächten geführten Kriege waren hingegen extrem asynchron, d.h. die technische und informative Überlegenheit der Angreifer war in allen Bereichen überwältigend. Die Angegriffenen hatten keine Möglichkeit zur Luftabwehr und mußten hilflos erdulden, dass die Infrastruktur ihres Landes zerbombt wurde.
Über den Kriegsverlauf in der Ukraine wissen wir, dass sich dort eine Stellungskrieg entwickelt hat, wo mit hoher Feuerkraft aufeinander geschossen wird. Über die Sprengkraft der bisher eingesetzten Geschosse und Bomben sind keine brauchbaren Zahlen erhältlich. In den umkämpften Gebieten wird jedoch vieles in Trümmern liegen. Riesige Flächen wurden vermint. Es wird Jahre dauern, diese zu entfernen, wenn der Krieg einmal vorbei ist.
Natürlich sind die Opferzahlen streng geheim. Aber wir müssen davon ausgehen, dass Soldaten an der Front massenhaft sterben. Darüber hinaus sollten wir bedenkten, dass die Zahl der Verletzten und Invaliden normalerweise ein Mehrfaches der Toten beträgt.
Vorsichtige Bemerkungen zum Kampfgeschehen
Es gab großes Aufsehen wegen der Rolle von Unbemannten Flugkörpern (Unmanned Aerial Vehicles - UAVs) und Störsendern. Zahlreiche einfachere UAVs können bessere Ergebnisse erzielen, als wenige hochentwickelte. Die Luftabwehr scheint insgesamt bedenklich gut zu funktionieren. Allerdings haben wir keinen Einblick in die entsprechenden Statistiken. Jedenfalls sinkt mit hoher Abschußquote die Schwelle zum Einsatz atomarer Sprengköpfe.
Die russische Luftwaffe ist zwar deutlich überlegen, aber durch die Luftabwehr nur eingeschränkt einsetzbar. Auch die russischen Raketen scheinen keinen allzu großen Effekt zu haben, aber wir wissen natürlich nichts über die Ziellisten und Trefferquoten. Aus großer Höhe abgeworfene, im Wesentlichen frei fallende Bomben mit hoher Sprengkraft werden hingegen recht erfolgreich eingesetzt, denn die Luftabwehr kann solche nicht so gut abschießen.
Der russischen Schwarzmeerflotte sollen einige substanzielle Verluste zugefügt worden sein. Praktisch ohne eigene Flotte, gelang es ukrainischen Truppen vermutlich, einige größere russische Schiffe mit Drohen und Raketen unbrauchbar zu machen.
Panzer sind im Stellungskrieg weitgehend ihrer Mobilität beraubt. Als mehr oder weniger stationäre Abschußplattform sind sie zu sperrig und allzu aufwendig. Zudem ist die Panzerung nur bei wenigen Modellen ausreichend. Wir wissen nichts konkretes über den Einsatz von Depleted Uranium (DU) Munition, aber es wurde berichtet, dass die U.S.A. solche an die Ukraine geliefert hat. Wir kennen die Auswirkungen vom Überfall auf den Irak 1991, wo vor allem Gebiete im südlichen Irak mit radioaktiver Strahlung verseucht wurden.
Politische Machenschaften
Politisch sind die Grundzüge der Konfrontation um die Ukraine und auch mögliche Lösungen seit Jahren allgemein bekannt.
Zumindest für die Regionen mit hohem Anteil russisch-stämmiger Bevölkerung forderte Russland lange schon regionale Autonomierechte. Eine föderale Verfassung, wie beispielsweise Deutschland sie hat, hätte den Krieg verhindert. Es lag an Deutschland, seine umfangreichen Hilfsleistungen für die Ukraine von derartigen Veränderungen abhängig zu machen.
Eine Verhandlungslösung wurde jedoch von den U.S.A. und Deutschland nicht ernsthaft angestrebt. Nach Jahren der Hinhaltetaktik von Seiten der deutschen Regierung unter Merkel war schließlich jegliches Vertrauen aufgebraucht und die Eskalation des Krieges für Russland notwendig geworden.
Nur eine Politik relativer Neutralität hätte der Ukraine ein gewisses Maß an Unabhängigkeit ermöglichen können. Sich einseitig an die NATO zu binden war ein verhängnisvoller Fehler der ukrainischen Regierung. Damit begab sich die Ukraine in weitgehende Abhängigkeit von den Interessen der U.S.A. und Deutschland. Die Ukraine wird nun für einen Krieg gegen Russland benutzt, den sie nicht gewinnen kann.
Ein Verhandlungsweg, der den Krieg zumindest deeskalieren könnte, ist derweil nicht in Sicht. Das sinnlose Massensterben droht noch jahrelang fortgesetzt zu werden.
Deutsche Großmachtbestrebungen
Deutschland wurde nach dem Zusammenbruch 1945 von den Siegermächten geteilt und als Front zwischen den Blöcken (U.S.A. vs. Sowjetunion) konstruiert. Die BRD sollte nicht wieder unabhängig eigene Herrschaftsinteressen verfolgen können, sondern unverbrüchlich mit den U.S.A. verbunden werden. Es ging darum, Deutschland zu hindern, eine Position zwischen den polaren Extremen einzunehmen und sich entsprechend Russland anzunähern. Damit wurde der nächste große Krieg gegen Russland bereits damals konzipiert.
Wiederholt waren es Preußen und das Deutsche Reich, die Russland angegriffen haben. Russland hat hingegen niemals auch nur versucht, Deutschland anzugreifen. Auch jetzt ist nicht einsichtig, zu welchem Zweck russische Truppen in Deutschland einfallen könnten. Russland mischt sich nicht einmal ernsthaft in die inneren Angelegenheiten Deutschlands ein, was andersherum seit Jahren schon wieder massiv geschieht.
Erinnern wir uns, das von Seiten der deutschen Politik und Medien seit Jahren recht offen zum Aufstand gegen die Regierung in Russland aufgerufen haben und dortige Oppositionsgruppen unterstützt wurden. Derartige Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten bezeugt eine feindliche Haltung und wird entsprechend als Bedrohung verstanden.
Deutschland marschiert wieder
Bereits in den 1980er Jahren, noch vor dem weitgehenden Rückzug der Sowjetunion aus Osteuropa und dem Anschluß der DDR, begann Deutschland mit der Unterstützung nationalistischer Kräfte in Jugoslawien. Die Anstrengungen führten zu den jugoslawischen Kriegen über Kroatien, Bosnien und dem Kosovo, wodurch der Staat letztlich zerschlagen wurde. 1999, beim NATO-Überfall auf Jugoslawien und der anschließenden Besatzung des Kosovo, waren deutsche Truppen erstmalig nach dem '2. Weltkrieg' wieder offiziell im Kriegseinsatz.
Seither konnten die Herrschenden eine Normalisierung militärischer Auslandseinsätze erreichen. Nur wenige interessieren sich für solch unangenehme Themen. Die einstmals geltende Begrenzung von Militäreinsätzen ausschließlich zur Selbstverteidigung wurde einfach übergangen. Sicherlich haben weder Jugoslawien noch Afghanistan Deutschland jemals angegriffen.
Ein 'Nie wieder' nach dem anderen wurde überwunden. Die Gegenwehr aus der deutschen Bevölkerung war zu schwach, das zu verhindern.
Die deutsche Geschichte mahnt uns, dass wir aufmerksam werden sollten, wenn die Regierenden von Verteidigung reden, aber unser Land gar nicht angegriffen ist. Große Gefahr droht, wenn Deutschland Führungsrollen im außenpolitisch-militärischen Bereich anstrebt und seinen Einfluß im Ausland ausweitet.
Derzeit droht große Gefahr. In der EU ist Deutschland nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs und mit dem Niedergang Frankreichs nun zur dominierenden Großmacht geworden. Deutschland verfolgt in der EU einen zunehmend aggressiven Kurs gegen Abweichler. Vor allem die Staaten Osteuropas geraten zunehmend unter Anpassungdruck. Ihr Traum von nationaler Unabhängigkeit, der mit der Loslösung vom sowjetischen Einflußbereich verbunden war, musste der Realisierung weitreichender Beschränkungen und Abhängigkeiten von der EU weichen.
Mit der Ausweitung deutschen Einflusses vor allem Richtung Balkan, Baltikum und Osteuropa wurde die Gefahr einer direkten militärischen Konfrontation mit Russland dramatisch erhöht. Der Krieg in der Ukraine sollte uns Warnung genug sein, uns der deutschen Kriegstreiberei grundsätzlich zu verweigern.
Wertegemeinschaft
Die vorgeblichen 'Werte' der EU sind gar keine, wie beispielsweise Demokratie, was ja eine Regierungsform ist. 'Freiheit' wurde zu einem leeren Begriff, denn wir sind keineswegs frei von Unterdrückung und Ausbeutung. Über einzelne 'Freiheiten' und deren Wert läßt sich zumindest debattieren. Wobei gerade in Deutschland eine Praxis systematischer Beschränkungen der Versammlungs- und Redefreiheit vorherrscht. Auch hat sich eine Kultur von Denkverboten und Dogmen entwickelt, die an die alten inquisitorischen Traditionen anknüpft.
Als Partikel von Massengesellschaften sind wir als Einzelne faktisch einfach nur ohnmächtig. Selbst mit all unseren Verwandten, Freunden und Kollegen haben wir auf die Regierungsentscheidungen nur ganz unbedeutenden Einfluß.
Auch die 'Menschenrechte' sind keine Werte, sondern lediglich Proklamationen von individuellen Rechten. Nicht einmal ein Existenzrecht besteht in Wirklichkeit, wie die Millionen von Toten durch Mangelernährung und leicht zu kurierende Krankheiten jährlich erneut bezeugen.
Staaten haben Interessen. Sie konkurrieren um Herrschaft und Einfluß, um Märkte und Handel. Eine 'werteorientierte Außenpolitik' ist daher vor allem als Drohung und totalitäre Anmaßung zu verstehen, passend sicherlich zur europäischen Tradition, sich an die Spitze der selbst konstruierten Hierarchie zu setzen und von dort andere zu belehren oder zu zwingen.
Die 'Wertegemeinschaft' zeigt sich als schizophrene Glaubensgemeinschaft mit eindeutig totalitären Zügen. Was sie reden - Was sie tun.
Das sinnlose Massensterben beenden
Es ist eigentlich unschwer zu verstehen, dass die ukrainischen und russischen Soldaten in der gleichen finsteren Lage sind, jede Minute um ihr Überleben fürchten zu müssen, während diejenigen, welche die politischen und militärischen Entscheidungen treffen, derweil in Sicherheit leben. Noch eindeutiger wird es, wenn wir bedenken, dass wir einfachen Menschen alle ähnlich ohnmächtig von unserer jeweiligen Staatsmacht unterjocht sind.
In der Ukraine wird nicht für Freiheit, Völkerrecht oder Gerechtigkeit gekämpft, sondern für Herrschaftsinteressen. Der Krieg ist ein Verbrechen, welches alle gemeinsam zu verantworten haben, die den Krieg vorbereitet haben, ihn befehlen und unterstützen.
Eine unmittelbare Beendigung des Krieges kann durch den Entzug der NATO-Unterstützung erreicht werden. Das ist jedoch nicht realistisch. Ohne einen direkten NATO-Angriff gegen Russland kann die Ukraine selbst mit massiver Unterstützung von den U.S.A. und Deutschand den Krieg aber auch nicht 'gewinnen'.
Die Ukraine ist nur noch nominell ein souveräner Staat. Faktisch ist die Ukraine zum Schlachtfeld von großmächtigen Herrschaftsinteressen geworden. Vor allem Deutschland setzt auf eine Fortsetzung des Krieges. Ukrainische Menschen werden als Instrument deutscher Außenpolitik benutzt.
Die ukrainische Bevölkerung wird aufwachen müssen und erkennen, dass Hunderttausende sinnlos gestorben sind. Das ist ein wiederkehrender und bitterer Erkenntnisprozess, den auch vorherige Generationen durchmachen mussten. Leider konnte das Wissen nicht in ausreichendem Maße generationsübergreifend vermittelt werden.
Die Kriegstreiberei um Herrschaft wird erst beendet sein, wenn die Bevölkerungen den Regierenden die Gefolgschaft entziehen und sich deren Kriegen verweigern. Das gilt für alle beteiligten Staaten.
Die Aufgabe eines Teils des ukrainischen Staatsgebietes scheint derzeit der einzige Weg, den dortigen Krieg zeitnah zu beruhigen. Das ist ohnehin die mittelfristig wahrscheinlichste Perspektive. Haben wir es am Ende faktisch einfach mit einer weiteren Teilung von osteuropäischen Gebieten zwischen Preußen/Deutschland und Russland zu tun?